“Irgendwas mit Kultur” – Interview mit Julia Austermann, LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Liebe Julia, herzlichen Dank, dass Du an meiner kleinen Interview-Reihe “Irgendwas mit Kultur” mitmachst. Ich selbst bin auch schon ganz aufgeregt und gespannt, was Volontäre in anderen Museen/Ausstellungshäusern/Schlössern so treiben.
Ich gebe zu, dass ein Besuch in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen bei mir noch aussteht. Umso mehr freue ich mich auch ganz persönlich, Einblicke in Dein Arbeitsfeld zu bekommen. Jedes Volontariat gestaltet sich von Museum zu Museum ganz unterschiedlich und entwickelt sich auch im Laufe der Zeit. Da Du auch ein Freund der neuen Medien bist, bin ich schon sehr auf Deine Antworten gespannt – darum starten wir direkt durch!

WW: Nenne drei Hashtags, die Dich und Deine Arbeit kennzeichnen.

JA: #museum2.0 #medienkultur #polen

WW: Was hast Du studiert und wo?

JA: Kultur- & Medienwissenschaften an der Universität Siegen

WW: Wolltest Du schon zu Beginn Deines Studiums im Museum arbeiten? Wie kam es dazu?

JA: Nein, während des Bachelor-Studiums wollte ich Radiojournalistin werden. Die Richtung hat sich mit dem Master-Studium, das kulturwissenschaftlich und gezielt forschungsorientiert ausgerichtet war, dann etwas geändert, wobei ich mir nach wie vor vorstellen kann, später auch im Kulturjournalismus zu arbeiten. Nach meinem Master-Studium war ich dann eine Zeit in Warschau, habe ein Praktikum bei der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit absolviert und war anschließend als Lehrbeauftragte im B.A. Studiengang Medienwissenschaften an der Uni Siegen beschäftigt bevor ich im Januar 2013 das wissenschaftliche Volontariat in der LUDWIGGALERIE begonnen habe.

WW: Seit wann bist Du Volontär/-in und vor allem wo?

JA: Seit Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.

WW: Was ist in Deiner Kultureinrichtung zu sehen? (Gibt es Ausstellungsschwerpunkte?)

JA: Die LUDWIGGALERIE gehört zum Verbund der Ludwig-Museen, d.h. wir können ebenfalls auf die Sammlung von Peter und Irene Ludwig zurück greifen und großartige Hochkunst-Ausstellungen machen, wie beispielsweise „Hair! Das Haar in der Kunst. Meisterwerke aus der Sammlung Ludwig von der Antike bis Warhol – von Tilman Riemenschneider bis Cindy Sherman” (22. 9. 2013 bis 12. 1. 2014). Neben der Hochkunst ist die populäre Galerie ein zweiter Schwerpunkt: Hier widmet sich die LUDWIGGALERIE der Präsentation von Illustration, Plakatkunst, Karikatur, Comic, Fotografie und ähnlichem, was gemeinhin dem angewandten Bereich zugerechnet wird. Wichtige Positionen von Wilhelm Busch bis Gerhard Haderer und Manfred Deix wurden ebenso gezeigt wie Janosch, Ralf König und Walter Moers. Renommierte Fotografen, darunter Henri Cartier-Bresson, Peter Lindbergh, Thomas Hoepker, Jim Rakete, Elliott Erwitt, Eve Arnold oder Weegee konnten in den proportionierten Ausstellungsräumen optimal inszeniert werden. Die Landmarkengalerie begleitet in regelmäßigen Ausstellungsprojekten wie „AT HOME – Der Blick durchs Schlüsselloch – Wohnen im Ruhrgebiet – gesehen durch die Kunst” (13. 5. bis 16. 9. 2012) oder aktuell „RuhrKunstSzene stromaufwärts – junge Positionen“ (7. 9. bis 7. 12. 2014) den Prozess des Strukturwandels der Region und stellt diesen in einen internationalen Kontext.
Das Tolle an der LUDWIGGALERIE ist einfach die Tatsache, dass es dort immer Wechselausstellungen gibt, sodass man sich immer wieder in neue Themen einarbeiten kann, was ich unglaublich spannend und bereichernd finde.

Vernissage Eve Arnold (1912-2012) 24. Mai -7. September 2014  Foto: LUDWIGGALERIE

Vernissage Eve Arnold (1912-2012) 24. Mai -7. September 2014
Foto: LUDWIGGALERIE

WW: In welchem Bereich machst Du Dein Volontariat?

JA: Zu Beginn lag mein Schwerpunkt auf der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Fokus auf Social Media. Da wir aber ein ziemlich kleines Team sind, wo oftmals jede helfende Hand gebraucht wird, bin ich zu einem kleinen “Allrounder” geworden. D.h. ich bin immer auch beim Aufbau der Ausstellungen dabei, arbeite museumspädagogisch, führe regelmäßig BesucherInnen durch die Ausstellungen usw.

Rundgang durch EVE ARNOLD mit Julia Austermann  Foto: Peter Braczko

Rundgang durch EVE ARNOLD mit Julia Austermann
Foto: Peter Braczko

WW: Welche Arbeiten sind in Deinem Volontariat vorgesehen?

JA: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Social-Media-Management, Museumspädagogik, Kuratierung – also eine wirklich umfassende, absolut vielseitige und alle Stationen durchlaufende Museumsausbildung, was ich sehr (!) schätze.

Eve Arnold (1912-2012) Plakat zur Ausstellung, Foto Marlene Dietrich in den Aufnahmestudios von Columbia Records, NYC, 1952 © Eve Arnold  Magnum Photos, Gestaltung Uwe Eichholz Aachen

Eve Arnold (1912-2012) Plakat zur Ausstellung, Foto Marlene Dietrich in den Aufnahmestudios von Columbia Records, NYC, 1952 © Eve Arnold Magnum Photos, Gestaltung Uwe Eichholz Aachen

Da mich die Fotografie sehr begeistert, war ein absoluter Höhepunkt meines Volontariats die eigenständige Kuratierung der Ausstellung “EVE ARNOLD (1912-2012). Eine Hommage an die große Magnum-Fotografin” (25. Mai – 7. September 2014), was mir unglaublich viel Freude bereitet hat. Es ist einfach wunderbar sich wissenschaftlich mit diesen tollen Fotografien zu befassen und anschließend nicht nur eine großartige Ausstellung und schöne Ausstellungspublikation zu haben, sondern diese wunderbaren Fotografien (und die Geschichten dahinter!) in den Führungen weiter zu vermitteln.

Fotowettbewerb UNRETOUCHED! Portraits in Aktion Foto Marlene Dietrich in den Aufnahmestudios von Columbia Records, NYC, 1952 © Eve Arnold  Magnum Photos

Fotowettbewerb UNRETOUCHED! Portraits in Aktion Foto Marlene Dietrich in den Aufnahmestudios von Columbia Records, NYC, 1952 © Eve Arnold Magnum Photos

Im Rahmen der Ausstellung habe ich außerdem einen Fotowettbewerb für junge Mädchen und Frauen – “UNRETOUCHED! Portraits in Aktion” – initiiert. Hintergrund war die Tatsache, dass FotografINNEN bei MAGNUM Photos nach wie vor unterrepräsentiert sind. Es gab nicht nur ein Preisgeld zu gewinnen, sondern alle Teilnehmerinnen wurden in einer Ausstellung im museumspädagogischen Raum der LUDWIGGALERIE gezeigt – man konnte sozusagen direkt ‘neben’ der großen Eve Arnold hängen – und es waren wirklich ganz tolle Beiträge dabei!
Fotos dazu gibt’s übrigens auf der Facebook-Seite der LUDWIGGALERIE ;-) (Anm. d. Red.: Los liken! Julia betreut den Facebook-Auftritt sehr gut!)

WW: Woran arbeitest Du aktuell?

JA: Momentan läuft in der LUDWIGGALERIE die Ausstellung “STREICH AUF STREICH. 150 Jahre deutschsprachige Comics seit Max und Moritz” (14. September 2014 bis 18. Januar 2015). Im Rahmen der Schau findet auch wieder das museumspädagogische Projekt SCHÜLER FÜHREN SCHÜLER statt, wo ich zusammen mit einer Kollegin SchülerInnen einer 9. Jahrgangsstufe der Elsä-Brändström-Gymnasiums aus Oberhausen zu Museumsführern ausbilde, die dann wiederum andere Kinder und Jugendliche durch die Ausstellung führen. Kunstvermittlung geschieht hier also auf Augenhöhe! Das ist das Tolle an dem Projekt – die Jugendlichen entwickeln ihre eigenen Sichtweisen, die sie dann in den Führungen weiter geben und im Laufe ihrer Ausbildung außerdem viel Selbstbewusstsein gewinnen.

Comicwettbewerb STREICH AUF STREICH 14.9.14-18.1.15  Gestaltung: Uwe Eichholz Aachen

Comicwettbewerb STREICH AUF STREICH 14.9.14-18.1.15
Gestaltung: Uwe Eichholz Aachen

Daneben hat die LUDWIGGALERIE zu dieser Ausstellung den Comic-Preis zusammen mit der Stadtsparkasse Oberhausen ausgeschrieben. Teilnehmen können Kinder und Jugendliche in den Alterskategorien bis 12 Jahre und 13-21 Jahre. Es gibt nicht nur Geldpreise zu gewinnen, sondern alle TeilnehmerInnen haben außerdem die Gelegenheit mit ihren Arbeiten in den Ausstellungsräumen der LUDWIGGALERIE präsentiert zu werden. Und auch hier bin ich mit für die Planung und Durchführung des Comic-Wettbewerbs verantwortlich.
…und wenn dazwischen noch etwas Zeit bleibt, arbeite ich weiter fleißig an meinem Exposé für meine Dissertation.

WW: Wie stellst Du Dir Deine Zukunft nach dem Volontariat vor? Möchtest Du in der Museumsbranche bleiben?

JA: Nach dem Volontariat möchte ich erst nochmal eine kleine Auszeit nehmen, um zu reisen und die Welt zu entdecken. Danach möchte ich meine Dissertation angehen. Das wissenschaftliche Arbeiten macht mir einfach sehr viel Spaß! Grundsätzlich würde ich aber sehr gerne in der Museumsbranche bleiben – gerne auch im Ausland. Ich kann mir aber auch andere Bereiche, wie z.B. die Arbeit in einer Stiftung gut vorstellen.

WW: Liebe Julia, herzlichen Dank für Deine Antworten. Ich sehe schon, ich bleibe der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen definitiv einen Besuch schuldig. Aber ich freue mich schon sehr darauf, denn die Sonderausstellungsthemen klingen sehr interessant und spannend – und treffen von der Themenauswahl genau meinen Geschmack.

Julia Austermann (27) ist seit Januar 2013 Volontärin in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. Sie studierte zuvor Kultur- & Medienwissenschaften an der Universität Siegen.

Auf Twitter erreicht man Julia unter @_JuliA_Ka_ – es macht Spaß Ihr zu folgen!

Interview-Reihe: Irgendwas mit Kultur

In den nächsten Wochen erscheint jeden Donnerstag ein kleines Interview zum Thema “Irgendwas mit Kultur”. In dieser Reihe stelle ich junge Volontäre aus deutschen Museen vor, sie berichten mir von Ihren spannenden Arbeiten hinter den Kulissen.

Kultur hat viele Facetten: Speicherstadt Hamburg

Kultur hat viele Facetten: Speicherstadt Hamburg

Was macht man mit Studienfächern wie Kunstgeschichte, Archäologie, Volkskunde, Geschichte, Kulturmanagement oder Museumsmanagement? Oft bekommt man als guten Ratschlag: “Vergiss nicht, den Taxischein nebenher zu machen!” Prima, denke ich mir. Aber irgendwas muss man doch mit diesen Studienfächern machen können, doch was? Ich habe Volontäre aus verschiedenen Museen in ganz Deutschland befragt, was Sie studiert haben und was nun ihre Aufgaben im Museumsvolontariat sind.

Unter dem Motto “Irgendwas mit Kultur” veröffentliche ich in den kommenden Interviews mit Volontären aus Deutschen Museen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten und Projekten. Ich bin jetzt auch schon total gespannt und ein wenig nervös, was die anderen eigentlich so in ihrem Volontariat machen, was sie lernen und worin ihre Aufgaben bestehen. (Und vielleicht gibt es zusätzlich noch den ein oder anderen Ausstellungstipp. ;) )

Vorab schon mal ein ganz herzliches Dankeschön an alle Teilnehmer! Danke für Euer Vertrauen und danke, dass Ihr mir Rede und Antwortet standet!

Nächsten Donnerstag, dem 23. Oktober, geht es los.