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Wie präsentiert man einen Münzschatzfund?

Auf Heller und Pfennig!

Auf Heller und Pfennig!

Das Archäologische Museum Hamburg (#AMH) stand vor einer spannenden Herausforderung: Wie zieht man die Aufmerksam auf eine Ausstellung, deren Hauptaugenmerk Münzen sind?
„Napoleons Silberschatz“
bis 14. September 2014
Di-So, 10-17 Uhr
6 Euro/ 4 Euro
Freier Eintritt für Besucher unter 18 Jahren.

Archäologisches Museum Hamburg
Museumsplatz 2
21073 Hamburg

Zur Beschriftung einer Münze gehört die Herkunft, der Münzherr, die Datierung, die Münzstätte und das Gewicht.

Zur Beschriftung einer Münze gehört die Herkunft, der Münzherr, die Datierung, die Münzstätte und das Gewicht.

Wie Ihr merkt, bin ich bei Münzen mehr als skeptisch. Für mich sind Münzen die langweiligsten Ausstellungsstellungsstücke überhaupt. Es gibt kaum etwas, was ich in Ausstellungen mehr ignoriere! Meine ersten Assoziationen mit Münzen: langweilig, blöd, uninteressant, sieht man nichts drauf, sehen doch alle gleich aus, zu klein, eine Vitrine – 3 Menschen – schon sieht man nix mehr, kleine Kabinett-Ausstellungen, in Sonderausstellungen nur Nebensache… Ja, mir würde vermutlich noch viel mehr Negatives einfallen.

Hamburgs Geschichte: Ein Zeitstrahl verdeutlicht die Geschehnisse um 1809.

Hamburgs Geschichte: Ein Zeitstrahl verdeutlicht die Geschehnisse um 1809.

Darum müssen diese Vorurteile, die ich so mit mir rumschleppte, mal aus dem Weg geräumt werden. Ich stellte mich der Herausforderung und nahm die Einladung vom AMH, vom Kurator Michael Merkel, an. Da ich die Atmosphäre von Ausstellungseröffnungen liebe, habe ich mich sehr auf dieses Ereignis gefreut, hinzu kam, dass ich mich in Hamburg zum ersten Mal mit einer anderen Bloggerin getroffen habe. Es war bezaubernd! Danke @kurzundknapp für diese charmante Begleitung!

In der Ausstellung sind lediglich 200 Münzen zu sehen. Sie werden einzeln verpackt und inventarisiert - eine unglaubliche Arbeit!

In der Ausstellung sind lediglich 200 Münzen zu sehen. Sie werden einzeln verpackt und inventarisiert – eine unglaubliche Arbeit!

Hardfacts in der Eröffnungsrede von Michael Merkel:

  • Die Münzen wurden bereits 1993 vom Kampfmittelräumdienst gefunden. (Ach! Und warum werden die jetzt erst gezeigt?)
  • Es waren 8795 Münzen. (Ui, das ist eine Menge.)
  • Jede Münze wurde inventarisiert und bekam eine eigene Nummer. (Ach du Sch***)
  • Die Inventarisierung dauerte 20 Jahre!

Das erklärt, warum der Schatz erst jetzt gezeigt wird. Eine leichte Panik stieg in mir auf: Muss ich mir ernsthaft 8795 Münzen angucken? Ich wurde neugierig, wie präsentiert das Museum diesen Fund. Wie wollen die mich für diese Objekte begeistern? Bevor es in die Ausstellung ging, führte Michael Merkel noch ein wenig in das Ausstellungskonzept ein und stellte die entscheidenden Fragen: Wer vergräbt einen solchen Silberschatz? Und warum? (Heute bekäme man für den Gegenwert ein schönes Einfamilienhaus in einem der netten Vororte von Hamburg.)

Wer hat den Schatz vergraben und warum? Autoren und Illustratoren durften sich Geschichten ausdenken!

Wer hat den Schatz vergraben und warum? Autoren und Illustratoren durften sich Geschichten ausdenken!

Da saß ich nun, jetzt schwirrte in meinem Kopf nicht nur die Frage nach dem „wie“ sondern auch nach dem „warum“ und „wer“ herum. Michael Merkel berichtete weiter, wo die Münzen gefunden wurden, ordnete den zeitlichen Rahmen ein und umschrieb kurz die Ereignisse, die auf der Veddel, in Wilhelmsburg und Harburg vorgingen. Langsam aber sicher wurde ich in die Geschichte Hamburgs hineingezogen: Die jüngste Münze des Fundes stammt aus dem Jahr 1809. Der Fundort befindet sich auf der Elb-Insel Wilhelmsburg. Ich tauchte also in die Zeit der französischen Besatzung ein.

Nachdem Herr Merkel seine Ansprache beendet hatte, wollte ich nur noch in die Ausstellung rennen und sehen, wie das Team dieses schwierige Thema präsentiert.

Und nun – könnte ich Euch den „Blue Cube“ (im Gegensatz zum White Cube) erklären oder zeigen, aber ich glaube, das lasse ich lieber bleiben.😉
1. Mein Foto finde ich nicht so schön.
2. Soll doch die Spannung aufrecht bleiben.
3. Guckt Euch die Ausstellung selbst an und bildet Eure eigene Meinung.

Ich kann nur so viel sagen: Das Ausstellungsdesign der Münzen halte ich für sehr gelungen!
Außerdem finde ich die Idee, fiktive Geschichten um den Schatz zu konstruieren großartig. Ich sehe schon Schulklassen vor mir, die einen Aufsatz zu diesem Thema schreiben und ihre eigenen Geschichten entwickeln müssen. – Vielleicht sollte ich doch noch Lehrerin werden.^^

Kurzum: Alles andere als Langweilig!

Wer noch mehr über diese Ausstellung erfahren möchte, dem lege ich den Blogbeitrag von @kurzundknapp ans Herz!

Wer noch mehr lesen, höre, sehen möchte:

Und wer ist eigentlich dieser Dr. Michael Merkel?
Der Ausgräber, Hamburger Abendblatt, 6.5.2014