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Liebe Tanja, Dein Museum ist nicht nur ein Museum, Dein Museum vereint gleich zwei wunderbare Sammlungen/Museen unter einem Dach in einer der berühmtesten Straßen Deutschlands. Denn das Gebäude an sich ist Kunst pur! Das ist der Moment, wo ich tatsächlich wehmütig an meinen alten Wohnort zurückdenke: Bremen. Und eine der berühmtesten Straßen Deutschlands ist definitiv die Böttcherstraße. Die einzige private Straße in unseren Landen. Bei der Bundesvolontärstagung 2014 führte uns eine Exkursion in Deine heiligen Hallen. Die Führungen von Herrn Dr. Laukötter und Dir waren absolut großartig und wir erhielten wunderbare Einblicke in die Geschichte der Straße, der Sammlung und der Stadtgeschichte. Bevor ich völlig ins Schwärmen gerate, lasse ich lieber Dich berichten, was Du dort so treibst.

Straßenschild in der Böttcherstraße, Bremen.

Straßenschild in der Böttcherstraße, Bremen.

WW: Welche drei Begriffe kennzeichnen Dich und Deine Arbeit?

TM: „Idealistin“, „Seiltänzerin“ und „Mädchen für alles“

WW: Wo hast Du studiert?

TM: An der Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

WW: Unfassbar, dass wir uns dort nie über den Weg gelaufen sind! Aber dafür waren unsere Studiengänge vermutlich zu unterschiedlich. Wolltest Du schon zu Beginn Deines Studiums im Museum arbeiten? Wie kam es dazu?

TM: Ja, das war eine der Optionen, obwohl ich damals keine besonders eifrige Museumsgängerin war. Ich machte nach dem Studium Praktika an den Museen Böttcherstraße und an der Kunsthalle Bremen und so kam eins zum anderen.

Bilck auf das Roselius- Haus Foto: freiraumfotografie Bremen

Bilck auf das Roselius- Haus Foto: freiraumfotografie Bremen

WW: Wo genau machst Du Dein Volontariat? Viele kennen das Museum als Paula Modersohn-Becker Museum.

TM: Bei den Museen Böttcherstraße in Bremen.

Außenansicht Paula Modersohn-Becker Museum bei Nacht. Foto: freiraumfotografie Bremen.

Außenansicht Paula Modersohn-Becker Museum bei Nacht. Foto: freiraumfotografie Bremen.

WW: Was ist in Deiner Kultureinrichtung zu sehen? Das besondere bei Euch ist ja tatsächlich, dass es quasi zwei Museen unter einem Dach sind, mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten.

TM: Im Paula Modersohn-Becker Museum werden die Werke der Namensgeberin und die von Bernhard Hoetger gezeigt. Im Ludwig Roselius Museum sind die Werke von Spätmittelalter bis zum Barock zu sehen, zusammen mit den zeitgenössischen Fotografien von Esther Haase. Dazu kommen Sonderausstellungen.

Ausstellungssaal im Paula Modersohn-Becker Museum. Foto: freiraumfotografie Bremen.

Ausstellungssaal im Paula Modersohn-Becker Museum. Foto: freiraumfotografie Bremen.

WW: Wie man anhand der Bilder sieht, ist der Kontrast bzw. das Spektrum der Sammlung unheimlich breit gefächert.

Ludwig Roselius Museum, Innenansicht. Foto: Jiang Feipeng.

Ludwig Roselius Museum, Innenansicht. Foto: Jiang Feipeng.

WW: In welchem Bereich machst Du Dein Volontariat?

TM: In der wissenschaftlichen Abteilung, dazu kommt die Kunstvermittlung, da die Stelle der Kunstvermittlerin vor zwei Jahren weggefallen ist.

WW: (An dieser Stelle muss ich eine weitere kleine Anmerkung einschieben: Tanja macht Führungen mit absoluter Leidenschaft! Sie hat es geschafft, mich für die Werke von Paula Modersohn-Becker zu Begeistern. Und das war wirklich nicht einfach!) Welche Arbeiten sind in Deinem Volontariat vorgesehen?

TM: – Sehr-sehr viele…

  • Konzeption und Durchführung einer Sonderausstellung: Bilderwahl, Kommunikation mit Co-Kuratoren, potentiellen Leihgebern und Versicherungen, Vorbereitung der Leihverträge und Versicherungsunterlagen, Autorenwahl, Verfassen der Katalogtexte, Katalogredaktion, Zusammentragen fehlender Abbildungen und Bildunterschriften, Betreuung des An- und Abtransports, Betreuung der Kuriere und Restauratoren, Konzeption der Hängung, Verfassen der Wandtexte und Bildschilder, Erstellung des Vermittlungsangebots für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, Flyertext und -bilderwahl, Zusammenstellen der Arbeitsmaterialen für die Führungskräfte, Durchführung einzelner Sonderveranstaltungen
  • Mitbetreuung anderer Sonderausstellungen (bei der je nach Verteilung der Aufgaben im Prinzip die gleichen Arbeiten anfallen) und der Sammlungspräsentation
  • Inventarisierung und Aufstellung aktueller Standorte der Objekte
  • Mitbetreuung des Adressbuches
  • Mitbetreuung der Webseite
  • Bearbeitung diverser Anfragen an das Museum (wissenschaftliche Anfragen, Provenienz, Besucherfragen, Schriftentausch …)
  • Erstellung des Vermittlungsangebots für Schulen, Zusammenstellen der Materialien für den Schulverteiler, ggfls. Ankauf der Materialien für den praktischen Unterricht, Führungen mit und ohne praktischen Anteil für alle Schulformen und Altersstufen
  • Betreuung des Projekte „Schuloffensive“, „Kunstfrühstück“, „Kindergeburtstag“ und „Aktiv mit Demenz“, die von freien Mitarbeitern durchgeführt werden
  • Und, und, und …

 

Tagung "Grenzüberschreitungen: Marianne Werefkin und die kosmopolitischen Künstlerinnen in ihrem Umfeld" im Himmelssaal im Haus Atlantis

Tagung „Grenzüberschreitungen: Marianne Werefkin und die kosmopolitischen Künstlerinnen in ihrem Umfeld“ im Himmelssaal im Haus Atlantis

WW: WOW! Das ist eine Menge. Und woran arbeitest Du aktuell?

TM: Ich betreue die neue Sammlungspräsentation mit und trage für die Führungskräfte alle notwenigen Unterlagen zusammen.

WW: Wie stellst Du Dir Deine Zukunft nach dem Volontariat vor? Möchtest Du in der Museumsbranche bleiben?

TM: Que sera, sera … Ich bin da sehr offen.

WW: Liebe Tanja, herzlichen Dank für Deine Antworten. Ich bin mir sicher, Du bleibst der Museumswelt erhalten. Niemand kann mit so viel Begeisterung über Kunstwerke erzählen wie Du. Und mit niemandem diskutiere ich lieber als mit Dir – zumal ich von Kunstgeschichte keine Ahnung habe, lasse ich mich immer wieder gern von Dir belehren. Dein Rundumwissen beeindruckt mich bei jedem Treffen.

Tanja Malycheva

Tanja Malycheva

Tanja Malycheva (35) studierte in Münster an der Westfälischen Wilhelms-Universität Kunstgeschichte. Neben Ihrem Volontariat promoviert sie in Münster. Im September 2014 organisierte sie die internationale Konferenz im Rahmen der Sonderausstellung „Marianne Werefkin: Vom Blauen Reiter zum Großen Bären“.