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Liebe Arnika, ich bin total aus dem Häuschen, im Leben hätte ich nicht gedacht, dass diese Reihe auf so viel Resonanz stößt! Ich bin regelrecht entzückt, dass Du mich angeschrieben hast. Das finde ich richtig klasse und ich möchte mich sehr herzlich bei Dir bedanken. Eure Kunstsammlung ist für mich ehrlich gesagt ein weißes Blatt Papier. In Düsseldorf habe ich es im vergangenen Jahr in exakt zwei Ausstellungen geschafft: „Andreas Gursky“ im Museum Kunstpalast und in die Ausstellung „Rankin Show-off“ im NRW-Forum. Jetzt stehe ich natürlich wieder schön blöd da: Noch ein Museum bzw. in diesem Fall eine Sammlung, die ich nicht kenne. Ich gebe zu, liebe Arnika, ich sehe das durchaus als Herausforderung, auch Dein Haus noch zu besuchen!🙂

Umso mehr freue ich mich, Dich regelrecht ausquetschen zu dürfen. Denn Du bist in einem spannenden Bereich tätig, der mich jetzt auch wieder stärker betrifft: Die digitale Kommunikation.

WW: Nenne drei Hashtags, die Dich und Deine Arbeit kennzeichnen.

AF: #Digitalism #Art #Happiness

WW: Was hast Du studiert und wo?

AF: Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft in Konstanz, Siegen und Köln (B.A. & M.A.)

Arnika Fürgut beim Twittwoch im K20.  http://bit.ly/1qIEKj5 Foto: Arnika Fürgut

Arnika Fürgut beim Twittwoch im K20.
http://bit.ly/1qIEKj5
Foto: Arnika Fürgut

WW: Wolltest Du schon zu Beginn Deines Studiums im Museum arbeiten? Wie kam es dazu?

AF: Ich muss zugeben, dass mir die Kunst in meinem Studium immer die liebste Komponente war und wahrscheinlich einfach die, die mir am meisten am Herzen liegt. Trotzdem bin ich auch großer Fan der Medienwissenschaften geworden und beschäftige mich gerade in den letzten Jahren intensiv mit digitalen Themen, Kommunikationssystemen, der Veränderungen von Informationsvermittlung und den großartigen Möglichkeiten, welche die virtuelle Welt diesen bietet. Deswegen war für mich immer klar, dass ich unbedingt an der Schnittstelle von Kunst, Medien, Ästhetik und Kreativprozessen arbeiten möchte – dass diese Schnittstellen innerhalb eines Museums verortet sein müssen, war jedoch nie notwendige Bedingung. Trotzdem ist ein Kunstmuseum natürlich ein großartiges Setting – hier werden nicht nur unheimlich schöne und wertvolle Inhalte geschaffen, sondern auch kreative Informations- und Vermittlungsstrategien gesucht und umgesetzt.

K20, Außenansicht der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz Bild: Walter Klein

K20, Außenansicht der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz
Bild: Walter Klein

WW: Seit wann bist Du Volontärin und vor allem wo?

AF: Ich bin seit Ende Oktober 2013 Volontärin der Digitalen Kommunikation der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Mit Ihren drei Häusern K20, K21 und F3 ist die Kunstsammlung ein großartiges Kunstmuseum und eine auch international namhafte Sammlung. Ich kann wirklich jedem nur empfehlen mal vorbeizuschauen, es ist sehr schön bei uns!

K21 Bild: stockandmore archenova GmbH,  Ralph Richter www.architekturphoto.de

K21
Bild: stockandmore archenova GmbH,
Ralph Richter
http://www.architekturphoto.de

WW: Die Message kam an.😉 Ich hole es nach. Was ist in Deiner Kultureinrichtung zu sehen? (Gibt es Ausstellungsschwerpunkte? Gibt es eine bestimmte thematische Ausrichtung der Einrichtung?)

AF: Die Kunstsammlung NRW ist die Landessammlung Nordrhein-Westfalens und damit eins der bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands. Die drei Standorte habe ich ja schon erwähnt – inhaltlich sind diese so ausgerichtet, dass im K20 vorwiegend Kunst des 20. Jahrhundert gezeigt wird und im K21 im Ständehauspark zeitgenössische Kunst und Werke des 21. Jahrhunderts lokalisiert sind. Dort ist momentan beispielsweise Tomás Saracenos Installation „in orbit“ zu sehen – ziemlich spektakulär und unbedingt zu empfehlen! Die Kunstsammlung NRW hat eine großartige ständige Sammlung und in beiden Häusern zusätzlich Wechselausstellungen, noch bis 2015 sind im K20 Wael Shawky, Paul Klee und Max Slevogt zu sehen – im K21 neben Tomás Saraceno Annette Messager und zahlreiche Künstlerräume der Gegenwartskunst. Das F3 Schmela Haus wird vorwiegend für Vortragsprogramme und Veranstaltungen genutzt.

Tomas Saraceno: in orbit Bild: Kunstsammlung NRW

Tomas Saraceno: in orbit
Bild: Kunstsammlung NRW

WW: Wie ist Euer Haus strukturiert? Wie viele Mitarbeiter gibt es, wie viele Volontäre? So viele Fragen!

AF: Die Kunstsammlung NRW ist ein großes Haus – wir haben momentan um die 90 Mitarbeiter, davon werden Anfang 2015 fünf Volontäre sein. Zwei davon sitzen in der Abteilung Wissenschaft und absolvieren das klassische kuratorische Volontariat, eine Volontärin wird in der Abteilung Bildung beginnen und auch in der Restaurierung gibt es ein Volontariat. Ich selbst bin in der Abteilung Kommunikation angesiedelt, dort gibt es seit einem Jahr neben Presse und Marketing den eigenen Bereich der Digitalen Kommunikation.

WW: Ein großes Haus mit Volontariaten in verschiedenen Bereichen, ganz anders im Vergleich zu den kleineren Häusern, wo Volontäre mit allen Arbeitsbereichen in Berührung kommen (wie Julia, Vincent, Ingo, Meike und Tanja schon anmerkten). Da es bei Euch sehr speziell ausgerichtet ist, welche Tätigkeiten genau fallen in Dein Aufgabengebiet?

AF: Wir betreuen zu zweit den Bereich der Digitalen Kommunikation – was gemessen an anderen Häusern für Stellen dieser Art personell erstmal sehr viel klingt. Bedenkt man aber, woran wir parallel arbeiten, können wir uns über Langweile nicht beklagen: Jährlich werden in der Kunstsammlung um die zehn großen Ausstellungsprojekte umgesetzt, dazu kommen die Sammlungspräsentation und zahlreiche Veranstaltungen, die jede für sich eigene Kommunikationsstrategien fordern. Da dieser Bereich in seiner momentanen Form erst mit meiner Stelle neu geschaffen wurde, konnte ich von Beginn an viel miteinbringen. Mittlerweile betreuen wir nicht nur die „Basics“ wie Website, Newsletter, die gängigen Social Media Kanäle (Facebook, Twitter, Youtube), sondern auch ein eigenes Online Magazin (www.number32.de) und ausstellunsgspezifische Projekte – beispielsweise Events oder das Game „Stadt Unter!“.

#32 Das Online Magazin der Kunstsammlung NRW www.number32.de

#32
Das Online Magazin der Kunstsammlung NRW
http://www.number32.de

WW: Woran arbeitest Du aktuell?

AF: Momentan arbeiten wir an den digitalen Kommunikationskonzepten für unsere kommenden Ausstellungen 2015. Natürlich darf ich an dieser Stelle noch nicht allzu viel verraten, aber ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr mit ein paar sehr spannenden digitalen Projekten vorwärtsgehen werden. Natürlich ist in meinem Job aber auch einiges „Tagesgeschäft“: Unser Social-Media-Kanäle müssen gepflegt, Newsletter und Homepage aktuell gehalten und unser Online Magazin #32 mit neuen Inhalten versorgt werden. Darüber hinaus fotografiere ich viel, erstelle Content und habe gerade eine kleine Clipreihe über unsere sehr spannenden Künstlerräume im K21 begonnen, die ersten beiden können schon bei Youtube angeschaut werden.

 

Ihr wollt mehr sehen? Dann guckt Euch mal den Youtube-Kanal von der Kunstsammlung NRW an. Zu allen aktuellen Ausstellungen gibt es Videobeiträge – einfach großartig!

WW: Ok, ich bin jetzt diejenige, die sich wie ***, durch Eure Seiten klicken wird, das Magazin durchstöbert und Videos anguckt. WOW! Das ist nämlich echt eine Menge Content, den ihr produziert. Kein Wunder, dass ihr zu zweit seid. Nun zu meiner letzten Frage: Wie stellst Du Dir Deine Zukunft nach dem Volontariat vor? Möchtest Du in der Museumsbranche bleiben?

AF: Ich mag das Museumsumfeld natürlich sehr gerne, auch wenn ich merke, dass die Mühlen – gerade in Hinblick auf aktuelle Digitalthemen – hier teils ziemlich langsam mahlen. Natürlich habe ich nach wie vor ein sehr großes Herz für Kunst, könnte mir aber auch vorstellen noch stärker in die kreative digitale und virtuelle Vermittlungsarbeit einzusteigen, beispielsweise selbst Apps und Anwendungen für die Kunst- und Kulturbranche zu entwickeln. Ich denke dass hier in den nächsten Jahren noch sehr viel mehr Bedarf entstehen wird und finde es großartig welche Möglichkeiten technische Innovationen mittlerweile bieten – denke man nur mal an Augmented Reality, Gamification, E-Learning und gezieltes Community Management. Ich glaube das Museum der Zukunft wird sehr viel digitaler sein, als so mancher Kunsthistoriker das momentan für möglich hält – und diese Entwicklung finde ich sehr spannend und reizvoll.

WW: Arnika, Du sprichst mir aus der Seele!!! Was soll ich dazu noch sagen? Es ist das perfekte Schlusswort für ein wunderbares Interview!

Foto: Arnika Fürgut

Foto: Arnika Fürgut


Arnika Fürgut kommt gebürtig aus Karlsruhe, sie studierte an der Universität Konstanz Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft. Anschließend lebte und arbeitete sie ein Jahr in Stuttgart. Sie war in einer Kunstgalerie tätig und arbeitete im journalistischen Bereich. Ihren Master absolvierte sie in Siegen und Köln. Im Anschluss an den Master trat sie ihr Volontariat in der Kunstsammlung NRW an. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Fotografie. Dann ist sie ausschließlich analog unterwegs: http://nevernica.tumblr.com/