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Die Paul Gauguin Ausstellung hat mich wirklich begeistert. Ich mag Gauguin, das war für mich auch ein Grund, an der Bloggerreise nach Basel teilzunehmen. Ich finde den Künstler an sich spannend und es ist interessant zu sehen, was man im Rahmen einer Ausstellung aus seinem Werk machen kann.

Die Farben sind pure Inspiration. Sie laden zum Träumen und Verweilen ein, ich kann mich kaum an den Bildern satt sehen. Durch die Farbintensität werden die Bilder lebendig. In ihrer Ausdrucksstärke erinnern sie mich an August Macke. Ähnlich starke Farben spiegeln sich in seinen Werken wider.

Die Fondation Beyeler hat wunderbare Werke aus der ganzen Welt für die Sonderausstellung zusammengetragen. Leihgaben aus aller Herren Länder krönen diese Schau (Scottish National Gallery Edinburgh, Národní galerie v Praze, Designmuseum Danmark, Musée d’Orsay, The Nelson-Atkins Museum of Art in Kansas City, Collection Albright-Knox Art Gallery in Buffalo, Musée de Grenoble, Staatliche Eremitage Sankt Petersburg, Staatliches Museum für Bildende Künste A.S. Puschkin Moskau, ebenso Werke aus New York, Toronto, Essen, London, Zürich, Lyon oder Palm Beach).

Paul Gauguin  Parau api, 1892  Quelles nouvelles? Was gibt's Neues? Öl auf Leinwand, 67 x 91 cm  Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister  Foto: Jürgen Karpinski

Paul Gauguin
Parau api, 1892
Quelles nouvelles?
Was gibt’s Neues?
Öl auf Leinwand, 67 x 91 cm
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister
Foto: Jürgen Karpinski

Es gibt vereinzelte Bilder, an denen kann ich mich einfach nicht satt sehen (wie Gauguins „Parau api“), ich muss sie immer wieder aufsuchen. Dazu gehören auch die Werke von August Macke. Im Lehnbachhaus in München gehört zum Beispiel das Gemälde „Das türkische Café“ von Macke dazu. Bei jedem Besuch in den südlichen Gefilden muss ich diesem Werk einen kleinen Besuch abstatten, nur um mal kurz „Hallo“ zu sagen und zu fragen, wie es so geht und zu gucken, ob es noch an seinem richtigen Platz hängt. Bei meinem letzten Besuch (im Vorfeld des stARTcamps) tat ich genau dies, mit einer kleinen Überraschung: Das Gemälde befand sich in der aktuellen Sonderausstellung und die beiden Gemälde „Das türkische Café I“ und „Das türkische Café II“ hingen nebeneinander. Das sieht man selten, darum habe ich diesen Anblick in der Macke und Marc Ausstellung herzlich genossen.

Aber zurück zu Paul Gauguin, sobald ich ein Werk von ihm entdecke, geht es mir ähnlich. Er ist wie ein alter Bekannter. Ich verweile kurz vor den Gemälden (manchmal versacke ich auch regelrecht davor) und frage, wie es „hier“ so geht. Die Werke lassen mich und meine Gedanken treiben. Nun forderte mich die Fondation Beyeler mit der Sonderausstellung ein wenig heraus. Statt Ausstellung Ausstellung sein zu lassen, hatte das Museumsteam mit der Agentur iART eine völlig verrückte Idee: ein interaktives Buch.

Was sollte ich davon halten? Wird jetzt meine Fantasie in einer Ausstellung ausgebremst? Oder vielleicht doch beflügelt?

Ein separater Raum war mit sechs interaktiven Büchern ausgestattet. Interaktiv meint, dass es sich um Bücher handelt, die bedruckt waren. Jede Seite sah anders aus, es waren die Werke von Gauguin zu sehen. Von oben war eine Art Kamera auf das Buch gerichtet, die die Bewegungen über dem Buch scannte und Bilder darauf projeziierte. Nun konnte man die Seiten umblättern und auf den einzelnen Seiten versteckten sich zusätzliche Informationen oder Animationen.

Die Bilder erweckten plötzlich zum Leben. Sofort entstanden Geschichten. Sie lagen ausgebreitet vor mir. Es war ein leichter Zugang zum Werk Gauguins, einfach durch das Buch blättern, Texte oder Animationen entdecken, abwarten, was als nächstes passieren mag oder nach weiteren Animationen oder Texten suchen, die sich auf den Seiten verstecken. Die Bücher haben Spaß gemacht und sie hatten eine niedrige Zugangsschwelle zu Gauguins Werk. So etwas finde ich gut. Ich bin mir auch sicher, dass Kinder und Jugendliche ihre helle Freude damit hatten. Als wir da waren, waren alle Bücher von den Besuchern regelrecht beschlagnahmt. Man hatte offensichtlich Spaß damit.

Spaß in Kunstausstellungen ist ein Faktor, der leider selten vorkommt, aber gerade viel Potential bietet. Mit Spaß lernt es sich leichter. Ich bin mir sicher, viele Häuser würden gern so einen „Spaß“ in ihre Projekte einbinden, aber dann kommt stets die Frage nach den Kosten und solche Ideen werden direkt im Keim erstickt oder über den Haufen geworfen, weil etwas anderes relevanter ist. Ich kann das bis zu einem gewissen Grad gut nachvollziehen.

Denn in diesem Fall stelle ich mir auch die Frage bezüglich der Nachhaltigkeit. Werden die Bücher anschließend weiter verwendet? Oder war es lediglich ein Projekt für diese eine Sonderausstellung und danach verschwindet es in der Versenkung? Dann würde ich als Finanzchef wohl auch sagen, dass so ein „Gimmick“ das Budget sprengt.

Ich hoffe, dass die Fondation Beyeler die Bücher anschließend in irgendeiner Form weiternutzen kann. Die Kosten für dieses Projekt waren mit Sicherheit immens.

Die Firma iART hat ein schönes Video zu dem Multimedia-Raum gemacht, wo sie das Projekt in aller Kürze erklärt. Es lohnt sich, kurz reinzugucken. Denn die Illusion zwischen gedrucktem Buch und digitalem Raum verschmilzt oder liegt so eng beieinander, dass man als Nutzer des Buches ziemlich genau hinschauen muss, um zu erkennen, was gedruckt und was Projektion ist. Mich hat das Buch fasziniert, leider ist es nicht Sofa-kompatibel.😉