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Die MAI-Tagung war mal wieder Inspiration pur! In diesem Jahr fand sie in der DASA in Dortmund statt. Zwei Tage lang hörten wir uns Vorträge an. Das Programm war unglaublich dicht, sodass mir am zweiten Tag bereits mein Kopf schwirrte.

Warum eigentlich MAI-Tagung?
Die Antwort ist ganz einfach „Museums And Internet“, also eine absolute „muss“-Veranstaltung für mich. Im Internet waren wir zwei Tage Trending Topic unter dem Hashtag #maitagung.

Worum ging es?
Es gab verschiedene Themenblöcke: Indoor-Apps, den Außenraum erschließen, digitaltes Kuratieren, Museumspädagogik 2.0, digitales dokumentieren, Marketing-Online, Partizipation und Social Media.
Dabei verschwimmen oft die Grenzen und die Themen fließen von dem einen Feld ins andere über. Die Trennung im digitalen Raum ist nicht immer trennscharf. Aber das macht es ja spannend und interessant.

Was hat fasziniert?
Über den ersten Tag hat Anke bereits einen wunderbaren Blogbeitrag geschrieben, darum gehe ich mehr auf den zweiten Tag, da dieser für mich inhaltlich relevanter und auch spannender war. Der zweite Tag begann mit der Präsentation von Dr. Chantal Eschenfelder zum Thema „Digitales Schlendern. Die cloudbasierte Exponatenplattform des Städel Museums“, ein absolut durchdachtes Konzept. Denn die digitale Sammlung ist nicht dazu da, mehr Besucher ins Museum zu locken, sondern um Menschen, eine neue Zugangsmöglichkeit zur Kunst zu ermöglichen. Smartphones werden beim Schlendern durch die virtuelle Welt nicht berücksichtig, konzipiert wurde dies für Tablets und Desktops. Dabei geht es nicht um eine Nachbildung des Museums, sondern um eine digitale Erweiterung und ein alternatives Angebot. Da das Städel nur 1% seiner Sammlung im Museum zeigen kann, soll der virtuelle Raum weitere Objekte zugänglich machen. Die Beta-Version umfasst momentan 600 Werke, 23.000 Nutzer haben darauf bereits zugegriffen. Bis Ende des Jahres sollen es 1500 Werke sein. Am Rande sei nur kurz erwähnt, dass jährlich ca. 450.000 Besucher das Museum besuchen, diese Zahl lässt sich kaum noch steigern.

Wie ihr merkt, das Städel hat fasziniert, aber mein Highlight-Themen-Block begann am Dienstag um 11.30 Uhr. Christian Henner-Fehr machte den Einstieg zum Thema „Der digitale Erlebnisraum“. Kurzerhand wurde den Teilnehmern gezeigt, was eigentlich noch alles möglich ist und das kaum ein Museum das digitale Potential nutzt. Theoretisch könnten die Besucher bereits am Bahnhof digital „abgeholt“ werden. Henner-Fehr zeigte anhand von Zahlen kurz die Vor- und Nachteile für die Appnutzung auf.

Ja, die meiste Nutzungszeit geht für Apps drauf, aber am Tag machen wir maximal von 10 bis 14 Apps Gebrauch. Stoff zum Nachdenken! Lohnen sich Apps für Museen überhaupt? Schafft man es überhaupt in die Top Ten? Für mich war es wieder ein Beleg, dass ich kein Fan Museumsapps bin. Die meisten sind mir viel zu groß (Datenspeicher ist ein Gut auf meinem Handy) und ich sehe für mich persönlich keinen Mehrwert. Ich liebe es im Museum zu sein und mir Originale anzusehen. Ich will und brauche keine App, lieber höre ich jemandem bei einer guten Führung durch Ausstellungsräume zu. (Eine kleine Ausnahme würde ich allerdings bei der App von Olafur Eliasson machen: „Your exhibiton guide“.)

Dann folgte der Vortrag, auf den ich wirklich gespannt war. „make your own mastermpiece“ hieß es bei Peter Gorgels, der über das Rijksstudio berichtet. Sätze wie „Die Kunst ist für alle da“ oder „Wir leben in einer Kultur der Bilder“ ließen mich dahinschmelzen. Pure Zustimmung von mir! Mehr kann ich gar nicht zu dem Vortrag sagen, außer:

1. Guckt Euch das Video an.

 

2. Besucht das digitale Rijksstudio 

 

Anschließend hieß es schon, dass es schwer für den nachfolgenden Redner wird. Aber ganz im Gegenteil. Linda Herrmann vom Freilichtmuseum am Kiekeberg hat mal locker lässig gezeigt, wie es auch ohne großes Budget geht. Alle stöhnen immer zu wenig Geld und keine finanziellen Mittel für das Marketing. Sie hat gezeigt, wie man als Nonprofit-Unternehmen trotzdem werben kann. Daumen hoch! Über AdWords Grants habe ich bereits im vergangenen Jahr hier berichtet.

Das #Martawird10 und legt mal eben eine wunderbare Social Media Strategie auf den Tisch: Blog, YouTube, Beteiligung aller Mitarbeiter und die Veränderungen, die virtuelle Tätigkeiten im analogen Verhalten verursachen können. Ein solides Konzept, das mich auf jeden Fall überzeugt hat. Spätestens bei der Social Media Wall im Museum bin ich ein wenig neidisch geworden.

Wie ihr lest, gab es wirklich einige spannende Projekte und ich habe jetzt nur einen winzigen Teil vorgestellt.

Was hat mich überrascht?
„Ich stelle jetzt mal eine böse Frage“, die Ansage einer bösen Frage hat mich überrascht. Gibt es böse Fragen? Damit meinte eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer, ich weiß es gar nicht mehr, wohl eine Frage zu stellen, die eventuell unangenehm sein könnte. Solche Fragen hört niemand gern und noch weniger will man sie beantworten. Aber gerade diese Fragen geben doch Aufschluss, ob Projekte erfolgreich waren oder missglückt sind.

Es hat mich gewundert, dass nicht viel mehr unangenehme Fragen gestellt wurden, denn bei vielen Projekten, die vorgestellt wurden, lief nicht alles rund. Stahlwände, die eine Verbindung zum W-Lan blockierten, Apps, die gar nicht mehr in den Stores vertreten sind, Projekte, die nur für den Desktop entwickelt wurden, oder Gelder, die in die Entwicklung einer App flossen, aber kein Budget fürs Marketing berücksichtigt wurde. Vermutlich könnte man diese Liste noch verlängern.

Ich finde es bedauerlich, dass nicht viel mehr über misslungene Projekte gesprochen wird. Klar ist dies erstmal unangnehm und keiner will über seine Misserfolge reden. Ganz zu schweigen von Steuergeldern, die eventuell verschwendet wurden. Mir sind die Gründe bewusst, warum man das nicht tut. Aber gerade aus Fehlern oder sagen wir vielleicht besser aus Erfahrungen lernen wir doch so viel!

Was ich mir wünsche?
Ich wünsche mir für die nächste MAI-Tagung eine moderierte Twitter-Wall. Der Catcontent war super! Aber was nützt eine Twitterwall, wenn sie nicht moderiert wird? Die Twitterati können selbst den Verlauf unter dem Hashtag #maitagung auf ihren Displays nachvollziehen. Oft treten aber im digitalen Raum Fragen auf, die leider nicht berücksichtigt werden.

Außerdem wünsche ich mir mehr Mut! Mut für ungewöhnliche Projekte, das Offenlegen von Zahlen (wie viele Downloads hatte eine App) und Mut zum Scheitern!

Wer hat’s geschafft?
Wer hat es bis zum Ende dieses unendlich langen Artikels geschafft? Wer will mehr Input? Wer will wissen, welche Themen noch relevant waren? Wer will wissen, wie es in der DASA aussieht?

Weiterer Lesestoff:
Anke: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH MAITAGUNG
Michelle: Die MAI-Tagung 2015 – gute Ideen & einige Problematiken
Stadtmuseum Stuttgart: Das Dingens mit dem Internet
Stephanie Müller: Meine Highlights von der Maitagung 2015
Wera: Fotoblog zur DASA Dortmund
Eva Wesemann: Gute Künstler…Good Artists…
Historisches Museum Frankfurt: Alles neu macht die MAI?
Kulturmanagement Network: Auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Museums and the Internet 2015

Und die DASA?
Die DASA ist unglaublich groß, 13.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Spannende Themenfelder zur Arbeitswelt, Technik, über den Menschen und und und. Ich fand die Ausstellung sehr interessant! Mich hat der Bereich über den Menschen sehr fasziniert (Rücken, Bewegung etc.). Das Museum bietet unglaublich viele Mitmachstationen.

Abschließend:

HAPPY BIRTHDAY! Eine tolle 15. MAI-Tagung, ich freue mich schon sehr auf das kommende Jahr! Wie immer eine perfekte Organisation vom Team um/und Herrn Martini!

MAI-Tagung in der DASA Dortmund