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Im Martin-Gropius-Bau ist bis zum 8. Juni 2015 die Ausstellung „ZERO. Die internationale Kunstbewegung der 50er & 60er Jahre“ zu sehen. Mein Dank geht an das arte Magazin, ich nahm bei einem Gewinnspiel teil und gewann zwei Freikarten für diese einzigartige Ausstellung.

Stolz berichtete ich Freunden von meinem kleinen Gewinn und schon kam die erste Frage: Was ist ZERO? Eine gute Frage, wie erklärt man, was ZERO ist, wenn man selbst keine Ahnung von der Kunstgeschichte hat. So weit ich es bis zu diesem Zeitpunkt verstanden habe, handelt es sich dabei um eine Art „Cut“, ein Einschnitt in der Kunstwelt und Kunstgeschichte in der Nachkriegszeit und einem Neubeginn. Ich verbinde mit diesem Begriff die Künstler Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker. Damit hört mein Wissen auch schon auf.

In erster Linie war ich auf die Werke von Otto Piene gespannt, da ich seine Lichtinstallationen sehr mag. Von den vielen anderen Künstlern, die ich in der Ausstellung gesehen habe, war ich überrascht und beeindruckt. Insgesamt waren 43 Künstler aus 13 Ländern vertreten. Die ZERO-Bewegung, die von den drei Deutschen ausging, fand im Ausland nahe Verwandte. Zu den internationalen Künstlern gehörten unter anderem Yves Klein, Jean Tinguely oder Piero Manzoni.

Die Ausstellung umfasste aber weitere Themenkomplexe wie Raum, Farbe, Struktur, Vibration, Bewegung und Feuer. Auf dem Aspekt des Lichtes lag mein Hauptaugenmerk. Insbesondere die Installation „Lichtballett“ (Hommage à Fontana, 1960) hatte es mir angetan. Mack, Uecker und Piene wurden zur Documenta III (1964) eingeladen. Sie entwickelten diese einzigartige Inszenierung von Licht und Bewegung, ein echtes Lichtballett eben. Sechs Minuten dauert das kleine Spektakel in Raum Nummer 19. Die Lichtwirbel, optischen Täuschungen und Veränderungen in der Wahrnehmung je nach eigenem Standpunkt sind einfach faszinierend. Vermeintlich strukturlos, entsteht ein Lichtchaos an den Wänden. Aber ist die Kunst wirklich so chaotisch? Meine Begleitung philosophierte und berichtete mir begeistert, wie strukturiert die Ausstellung ist und wie viel Mathematik durchaus in den Objekten stecken, es fielen Worte wie Chaostheorie und Mathestudium und ich schaltete ab… für mich sind die Lichtobjekte einfach nur schön und ziehen mich regelrecht in ihren Bann. Allerdings beschäftigte uns bzw. mich noch eine Frage etwas länger: Hat Günther Uecker wirklich all die Nägel selbst in die Objekte gehauen? Wie viele Nägel hat er in seinem Leben wohl irgendwo reingehämmert? Er muss ein Vollprofi auf dem Gebiet sein.😉

Zurück zur Ausstellung: 19 Themenräume spiegeln die Schaffensphase von ZERO wider. Die Ausstellung, die Zusammenstellung der Werke, die thematische Komposition, die Auswahl der Werke und das Archiv im Foyer des Martin-Gropius-Baus haben mir sehr gut gefallen.

Aber was ist, wenn man überhaupt keine Ahnung von ZERO hat, von den Künstlern, der Kunst, der Geschichte etc? Wie zu Beginn erwähnt, wurde mir die Frage gestellt, was ZERO ist. Nun, geht man einfach so in die Ausstellung gestaltet sich der Zugang meines Erachtens ein wenig schwierig. Man ist direkt drin. Die Ausstellung wird in der Gestaltung sehr einfach und schlicht gehalten. Ich mag das sehr, aber die Objektbeschriftungen befanden sich oftmals am Ende des Raumes, das heißt, ich musste den Raum durchqueren, um zu gucken, welches Objekt von welchem Künstler ist. Und dann sahen die Tafeln so aus:

Objektbeschriftung in der ZERO-Ausstellung

Objektbeschriftung in der ZERO-Ausstellung

Ihr könnt Euch vorstellen, ich lachte und lachte und lachte und hätte weinen können. Auf den kleinen Tafeln waren die Objekte in schwarz/weiß abgelichtet, daneben befanden sich die üblichen Informationen (Name, Titel, Entstehungszeitraum, Leihgeber/Inhaber). Die Objekte sahen sich auf diesen kleinen Infotafeln so ähnlich, dass ich nicht alle Beschriftungen den realen Objekten zuordnen konnte! Wie sollen sich denn dann Besucher zurecht finden, die keine Ahnung von der Materie haben? Für die mangelnde Beschriftung in der Ausstellung gibt es einen „Punktabzug“ von mir.

Begleitheft zur Ausstellung

Begleitheft zur Ausstellung

Zum Glück gab es noch das kleine Infoheft am Eingang zur Ausstellung. Jedem Raum war eine Seite gewidmet. Zitat des Künstlers, einer kurzer Abriss zum Künstler, sein Werk oder seine Idee und ein Foto kennzeichneten den Aufbau des Heftes – gut strukturiert, inklusive Raumplan. Inhaltlich hat das Archiv die Ausstellung „rund“ gemacht. Dokumente, Audiobeiträge, Schriftstücke, Faltblätter, die ZERO-Hefte, alles war da und man konnte die Bewegung inhaltlich anhand von Daten und Fakten nachvollziehen. Die ZERO-Hefte haben mich besonders fasziniert, sie lagen in dem Archiv aus und man durfte sogar durchblättern und die Texte der großen Künstler lesen. Kurzzeitig versank ich so in einen Text von Piene.

dynamo Die Zeitung zur Ausstellung. März 2015

dynamo
Die Zeitung zur Ausstellung. März 2015

Fazit: Eine gelungene Ausstellung – aber der Zugang wird einem nicht gerade leicht gemacht. Einen Audioguide gibt es nicht, dafür ein kleines gutes Infoheft zum Mitnehmen. Am Ausgang erhielten die Besucher zudem noch die Zeitung „dynamo“. In der Zeitung sind zahlreiche Artikel über die Künstlergruppe, Interviews, Fotos, ein Schnittmuster für das ZERO-Kleid, Kunst zum Mitmachen (wie werde ich selbst ZERO-Künstler) und wo ich weitere Ausstellungen und Bücher zum Thema finde enthalten. Die Zeitung ist fantastisch und die werde ich mit Sicherheit noch ein wenig durchstöbern!

Möge der Wanderzirkus stets in Bewegung bleiben.

Tipps:

Wer es nicht mehr bis zum 8. Juni nach Berlin schafft, dem lege ich die Ausstellung „Otto Piene. Licht“ (13. Juni bis 20. September 2015) in Münster ans Herz. Die werde ich mir mit Sicherheit nicht entgehen lassen!

Ihr versteht überhaupt nicht, worüber ich geschrieben habe? Kann ich verstehen, ohne Fotos ist das ein wenig schwierig, aber fotografieren war nicht erlaubt und die Pressestelle hat mich wieder an jemand anderen verwiesen, das war mir ehrlich gesagt alles viel zu kompliziert. Darum empfehle ich dringend (!) den Blogartikel von Kai Eric: “ZERO – Die Internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre” im Martin-Gropius-Bau, Berlin. Er geht in seinem Artikel stärker auf die inhaltlichen Aspekte der Ausstellung ein und hat auch Fotos von der Ausstellung im Gepäck. Es lohnt sich also auf seinem Blog vorbei zu schauen!