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Botanik, Zoologie, Malerei, Medizin – Karoline Luise von Baden (1723-1783) interessierte sich für viele Themen. Aber nicht nur ihre Interessen machen sie zu einer außergewöhnlichen Frau, sie stand im Austausch mit Voltaire, stellte Fragen, malte und musizierte selbst, machte in ihrem Laboratorium Experimente und hätte sie heute gelebt, wäre sie wohl eine „Social Media Expertin“ gewesen.

Jean-Étienne Liotard Prinzession Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, 1745 © Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Jean-Étienne Liotard
Prinzession Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, 1745
© Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Aber Karoline wurde 1723 in Darmstadt geboren, war die Tochter des Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt und wurde erst durch ihre Heirat mit dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach Markgräfin von Baden.

Geschichtlicher Hintergrund

Markgraf Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach (1679-1738) gründete 1715 (!) Karlsruhe. Damit die Stadt möglichst schnell wuchs, erteilte Karl Wilhelm einen Gnadenbrief, der beinhaltete Privilegien für die Bürger. Nach vier Jahren wohnten bereits 2000 Menschen in der Fächerstadt. Aber Karl Wilhelm war absoluter Herrscher, das darf man nicht vergessen. Er bekam zwei Söhne und eine Tochter. Der erst Sohn starb bereits mit elf Jahren. Erbprinz von Baden-Durlach wurde Friedrich von Baden-Durlach (1703-1732). Da er aber ebenfalls vor seinem Vater starb, war sein Sohn Karl Friedrich von Baden (1728-1811) Nachfolger und Markgraf von Baden-Durlach. Kurz: Opa und Enkel haben die Stadt Karlsruhe aufgebaut. 1746 übernahm der Engel die Regierung der jungen Stadt. Er warb 1749 um die Hand von Karoline Luise von Hessen-Darmstadt. Die Ehe wurde 1751 vollzogen.

Karoline, auch die Hessische Minerva genannt, lebte auf dem Schloss, das damals ein wenig anders aussah als heute. Die Räumlichkeiten waren klar aufgeteilt. Zu ihren Gemächern gehörten u. a. ihr eingerichtetes Laboratorium und ihr Atelier. Denn um zu verstehen und zu begreifen, wie Kunstwerke entstehen, malte sie selbst und sie war unfassbar gut! Ich hätte vermutlich das Original nicht von der Kopie unterscheiden können. Lernprozesse setzen schneller ein, wenn man Sachen selber macht – und Karoline machte vieles selbst, so kopierte sie Werke, wie es viele zur damaligen Zeit taten.

Ihre Kunstsammlung ist meisterlich. Daran besteht kein Zweifel. Rembrandt, Vernet, Chardin, Anthonis van Dyck, van der Werff oder Willem van de Velde gehören zu den namhaften Künstlern, die in ihrer Sammlung vertreten sind. „Der gebildeten, aufgeklärten und überaus aktiven Markgräfin, […], ist es zu verdanken, dass die Stadt Karlsruhe schon fünfzig Jahre nach ihrer Gründung europaweit als ein Ort der Wissenschaften und Künste anerkannt war“, heißt es im Faltblatt der Kunsthalle Karlsruhe.

Die weit bekannte Sammlung fand Beachtung. So machte sich Karl Lang auf den Weg nach Karlsruhe, um das „Mahlerey-Cabinet“ zu bewundern. Er beschreibt sehr detailliert seinen Besuch in Form eines Aufsatzes*. Unter anderem kommt er auf das Werk von Adriaen van der Werff (1659-1722) zu sprechen, der wohl einer der begehrtesten Maler des 18. Jahrhunderts war. Was er zu diesem Werk gesagt hat: Hört selbst rein! (Ein Auszug)

In dem Augenblick, in dem der Betrachter endlich das gesamte Werk erblickt, nachdem der grüne Vorhang zur Seite geschoben wurde, verharrt man. Man erkundet jeden Zentimeter des Gemäldes, versucht alles zu erkennen und aufzunehmen. Mimik, Gestik, Ursache der Angst, ich versuchte das Gemälde zu ergründen. Von Gleichgültigkeit kann ich nicht sprechen, als ich vorsichtig den grünen seidenen Vorhang wieder fallen ließ. Was meint Ihr? Könnt Ihr von Gleichgültigkeit bei solch einem Werk sprechen? Berührt es Euch?

Die Inszenierung mit dem grünen Vorhang von Karoline scheint gelungen! Warum ist ausgerechnet dieses Werk hinter einem Vorhang versteckt? War es ihr Lieblingswerk? Das Bild ist weder anstößig, noch muss es wegen starken Lichteinfalls geschützt werden. Sie wollte tatsächlich Spannung aufbauen. Ich finde, es ist ihr gelungen.

Adriaen van der Werff Die Vertreibung aus dem Paradies um 1700 Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Adriaen van der Werff
Die Vertreibung aus dem Paradies um 1700
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt bis zum 6. September 2015 die meisterliche Sammlung von Karoline Luise von Baden. Mich hat in erster Linie die Frau und ihre Geschichte beeindruckt, da ich zuvor noch nichts von dieser Frauenpower gehört habe!

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Hans-Thoma-Straße 2-6
76133 Karlsruhe

Die Meister-Sammlerin
Karoline Luise von Baden
Große Landesausstellung Baden-Württemberg
30.05. 2015 – 06.09.2015

Eintritt
Regulär € 12
Ermäßigt € 9
Schüler € 3
Familien € 24

Öffnungszeiten
Di – So, 10 – 18 Uhr
montags geschlossen

*“Kunstbemerkungen in Karlsruhe an einen Kunstfreund (1790)“ in der Zeitschrift „Museum für Künstler und für Kunstliebhaber“

Die Reise nach Karlsruhe und Basel sowie die Ausstellungsbesuche, Rundgänge und Führungen wurden von der KTG Karlsruher Tourismus GmbH, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und Basel Tourismus organisiert und finanziert. Die Bloggerreise #kbreise15 fand vom 5.-7. Juni 2015 statt.