Schlagwörter

, , , , , ,

In meinem ersten Beitrag zu meiner Reise nach Lyon habe ich recht viel über den Inhalt des Stückes „Die Entführung aus dem Serail“ geschrieben. Nun möchte ich in meinem zweiten Beitrag mehr auf das Opernhaus Opéra de Lyon und die Inszenierung an sich eingehen.

Opera de Lyon-2

Opera de Lyon

Schaut Euch den wunderbaren unteren Teil des Gebäudes an oder diesen wunderbaren Prunksaal mit seinen herrlichen Kronleuchtern. Ich kann mich an diesem neoklassizistischen Neubau von Antoine-Marie Chenavard und Jean-Marie Pollet nicht sattsehen. Sobald man das Gebäude der Oper betritt, merkt man sehr schnell, dass mit den Erwartungen an eine Oper gebrochen wird. Ich habe ein Foyer erwartet, dass mir den Atem raubt, ich habe Sandstein bzw. hellen Stein erwartet, rote Teppiche und rote Absperrkordeln – typisch Oper eben.

Mit all diesen klassischen Erwartungen an eine Oper wird in diesem Haus gebrochen bzw. gespielt. Nichts ist so, wie man es erwartet. Das Foyer ist düster, Boden, Wände, Tresen, alles ist schwarz. Lediglich ein schmaler roter Teppich führt zur Kasse. Statt Treppen gibt es Rolltreppen, diese führen in schwindelerregende Höhe.

Opera de Lyon

Opera de Lyon-1

Guckt man sich das Gebäude von außen genauer an, könnte man diesen Bruch erahnen. Denn schon die riesige Kuppel bricht mit der Architektur. Verantwortlich dafür ist der Architekt Jean Nouvel. Er baute 1989 das gesamte Haus um, innen musste alles bis auf den einen Empfangssaal weichen. Stahl und Glas dominieren das Gebäude. Der riesige Innenraum der in ungeahnte Höhen führt bietet 1100 Besuchern Platz.

©Opera de Lyon

©Opera de Lyon

Mich hat die Architektur sehr beeindruckt und genau das ist es, was der Besucher bei dieser Aufführung zu sehen bekam, einen Hauch klassischer Inszenierung zu Beginn und dann eine Art Bruch. Weg von der klassischen Inszenierung, hin zu einer anderen Ebene, die der Fantasie freien Lauf lässt.
Mit „klassisch“ meine ich die Kostüme, die zu Beginn recht opulent waren und dann mit dem einsetzenden Rückblick und dem Fortschreiten der Geschichte immer schlichter wurden. Das Bühnenbild wurde insgesamt recht minimalistisch gehalten. Auch muteten die Lampen in einer der ersten Szenen einen Hauch Erinnerung an ein an großes Bühnenbild an, das jedoch sehr schnell weggefegt wurde und durch große hohe mobile Wände einen völlig anderen und wandelbaren Charakter bekam. Die Kugel gen Ende des Stückes, die permanent gedreht wurde, zeigte eine raffinierte Bühnentechnik. Es war alles ingesamt sehr stimmig.

image

Enlevement au serail ©Stofleth


image

Enlevement au serail ©Stofleth

Stimmgewaltig waren auch Jane Archibald (Konstanze), Cyrille Dubois (Belmonte), Michael Laurenz (Pedrillo), Joanna Wydorska (Blonde) und David Steffens (Osmin). Der deutsche Schaupieler Peter Lohmeyer (Großstadtrevier oder Das Wunder von Bern) übernahm die Sprecherrolle des Selim. Hört mal selbst rein:

Wie bereits im ersten Artikel angedeutet, geht die Oper Lyon neue bzw. andere Wege, dafür ist in erster Linie der Intendant des Hauses Serge Dorny verantwortlich. Er versucht das Haus zu öffnen. Hierzu empfehle ich auch den Blogbeitrag von Sabine Haas auf ihrem www.kultur-blog.de, sie führte ein Interview mit dem Intendanten und fand heraus, was er sich bei all dem so denkt.

Für mich ist Oper oder Theater ein sehr analoges Medium (wie Kino eigentlich auch). Ich besuche dazu Orte und mir wird etwas vorgeführt. Von Theater oder Opernbesuchen zehre ich deutlich länger als von einem Kinobesuch (das ist eher Schall und Rauch), darum folge ich auch gern einigen Social Media Kanälen von solchen Kultureinrichtungen. Ähnlich wie Museen stellen sie eine gewisse Herausforderung dar und müssen sich einem jüngeren Publikum öffnen, das gewiss nicht immer ganz einfach ist. So fielen mir direkt die Social Media Kanäle der Oper ins Auge: YouTube, Instagram, Twitter und Facebook sind auch dort Standard. Meine Posts (bei Insta und Twitter) erhielten auch sofort „likes“, das Haus hat mich als Besucher auf jeden Fall wahrgenommen. Das einzige, an dem die Oper noch arbeiten muss, ist die Übersetzung der Webseite zumindest ins Englische. Das erwarte ich von einem so wunderbaren Haus dann schon. Das ist es auch, was mich bei den deutschen Einrichtungen immer mehr überrascht, viele Posts werden auf Deutsch und Englisch publiziert. Insbesondere bei Instagram ist dies totaler Trend. Bei Twitter werden Tweets bei wenigen Häusern auf Deutsch und Englisch publiziert. Natürlich müssen Häuser selbst gut abschätzen, ob sich dieser Aufwand lohnt. Bei einer Oper, die international arbeitet, erwarte ich das eigentlich schon. Aber ich habe gehört das soll wohl noch kommen. Alles andere kann ich mir bei diesem aktiven Haus auch nicht vorstellen und ich werde die Oper Lyon und ihr Programm mit Freude weiter verfolgen! Und ich frage mich, wann auch sie Snapchat entdecken…😉

Herzlichen Dank für die Einladung nach Lyon und zu einem unvergesslichen Abend!