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Es ist Reformationstag, nein Halloween, Reformationstag, Halloween? Ja, was denn nun? Da ich bereits genug über den Reformationstag gesehen oder gelesen habe (einen prima Blogpost vom DHM oder eine Buchempfehlung aus meiner Familie „Deutschland Lutherland“), habe ich mit diesem Thema innerlich ein wenig abgeschlossen. Auf meiner Reise in den Landkreis Dithmarschen hingegen ist mir das Thema Halloween regelrecht ins Auge gesprungen.

Fledermauskunde im Waldmuseum

Am vergangenen Samstag verschlug es mich in den Norden, der Landkreis Dithmarschen ist auch von mir mit weit über eine Stunde Autofahrt zu verzeichnen, auch wenn er eigentlich gar nicht so weit weg ist. Wie kam es überhaupt zu dieser stürmischen Reise? Nicht nur ich selbst habe über meinen Blogpost “111 Orte am Nord-Ostsee-Kanal, die man gesehen haben muss” gestaunt, denn ich kannte mich bislang gar nicht in diesen nördlichen Gefilden aus. Umso schöner, dass ich nun auf Einladung den Norden ein wenig erkunden durfte. Meine Reise führte mich von Epenwöhrden über Meldorf bis nach Burg. Meine charmante Reisebegleiterin Julia kennt ihr eventuell schon von museumlifestyle. Hin und wieder bloggt sie dort und meine letzte Reise mit ihr nach Wien war einfach großartig. Außerdem hatte ich mit ihr eine Expertin für den Norden an meiner Seite, als waschechte Hamburgerin merkt man schon einige Unterschiede zu mir Landei, aber mehr dazu später.

Epenwöhrden

Morgens um 8.45 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Epenwöhrden. Dort erwartete uns ein Denkmal, das ich persönlich jetzt „lüttes Stonehenge“ nennen würde, aber wir sind im Norden und dort heißt es “Dusenddüwelswarf”. Erst 1900 wurde dieses Denkmal, welches älter aussieht als man vermuten würde, errichtet, um an die Schlacht bei Hemmingstedt (anno 1500) zu erinnern.

Dort besiegten die Bauern die Truppen vom dänischen König. Zur Erklärung: Hemmingstedt liegt 4km nördlich von Epenwöhrden. Diese Schlacht war für die Gegend und die Bauern in sofern wichtig und entscheidend, weil es eine “faktische Unabhängigkeit der Bauernrepublik Dithmarschen” darstellt. (Dies hielt aber geschichtlich gesehen nicht lange an, 1559 wurden sie dann besiegt und verloren ihre Freiheiten.)

Meldorf

Da es recht stürmisch und kalt an diesem Tag war, fuhren wir in den Meldorfer Dom, um uns ein wenig aufzuwärmen. Der Dom von Meldorf ist absolut beeindruckend und unbedingt sehenswert! Nun einmal der korrekte Name der Kirche: St.-Johannis-Kirche in Meldorf. Das erste Gebäude wurde 810 gebaut, das heutige Erscheinungsbild der Kirche entstand ab 1250. Die Kirche war wichtiger Treffpunkt und Versammlungsort in Dithmarschen. Er gehört heute zu den bedeutendsten mittelalterlichen Kirchenbauten an der Schleswig-Holsteinischen Westküste.

St.-Johannis-Kirche in Meldorf (auch Meldorfer Dom genannt)

Im Anschluss wollten wir das Dithmarscher Landesmuseum aufsuchen, da man dort mehr über die Schlacht bei Hemmingstedt erfahren hätte. Leider mussten wir feststellen, dass das Museum samstags geschlossen hat. Wir staunten nicht schlecht, denn auch dort hätte es eine Ausstellung zum Thema Reformation gegeben, die mich sehr interessiert hätte. Von Meldorf aus wurde Dithmarschen reformiert. Es wäre folglich bestimmt eine interessante Ausstellung gewesen.

Stattdessen führte uns der Weg ins Landwirtschaftsmuseum, welches aktuell auch noch umgebaut wird. Mich ließ das Museum ein wenig ratlos zurück. Dies könnte vielleicht daran liegen, dass ich im Freilichtmuseum am Kiekeberg gearbeitet habe, welches ebenfalls das Thema Landwirtschaft und Ernährung darstellt und ich daher einen Vergleich heranziehe, der nicht angemessen ist. (Der Vergleich ist in sofern nicht angemessen, da das Freilichtmuseum am Kiekeberg deutlich größer ist und mehr Exponate zeigt.)
Aber ich war wirklich überrascht, die Texte können von mir aus gern alt sein, so lang sie korrekt sind, dagegen habe ich überhaupt nichts, die waren auch alle recht informativ, aber die Präsentation war ein wenig lieblos. Umso schöner war das Bauernhaus hinter der Ausstellungshalle, welches eine Art mini Freilichtmuseum ist.

Mittlerweile war es 12 Uhr und ich gab zu bedenken, dass wir uns beeilen sollten, was die Stadtbesichtigung angeht, denn in meiner Heimatstadt werden samstags um 14 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Schnell gingen wir wieder über den Platz der Kirche, loteten schon mal die Speisekarte von dem Restaurant “Zur Linde” aus. Eine weibliche Stimme hinter uns sagte aus dem nichts heraus “Dort ist es wirklich sehr lecker! Auch wenn es etwas höherpreisig ist.” Ich gebe zu, ich musste ein wenig schmunzeln, denn wenn man in Hamburg “gut” Essen gehen möchte, ist hochpreisig relativ. In Meldorf bedeutet dies, dass das teuerste Gericht bei 20 Euro liegt. Ich ärgere mich ein wenig, denn ich war zu früh da, im November gibt es eine zusätzliche Wildkarte im Restaurant „Zur Linde“ und dafür habe ich eine klitzekleine Schwäche.

Aber wir erkundeten zuerst die Stadt, die beiden Buchläden dort sind ein Traum und wunderbar sortiert! Ein kleines Kino zeigt die aktuellen Filme. Der Teeladen hat mich mit seinem Duft und der freundlichen Verkäuferin begeistert. Insgesamt musste ich feststellen, dass dort die Menschen total entspannt und alle sehr freundlich zu uns waren. Nach einem kurzen Schnack haben wir gelernt, dass man in Meldorf samstags zwischen 9.30 Uhr und 12 Uhr seine Besorgungen erledigt. Wir seien schon sehr spät dran gewesen, erklärte uns die nette Frau. Inzwischen war es 13 Uhr. Natürlich konnte ich das Geschäft nicht ohne Pralinen verlassen. Wir ließen uns noch kurz eine Empfehlung für das Mittagessen geben und schon schlenderten wir weiter und mussten uns nur noch zwischen “Zur Linde”, “Mama Leone” und “Siami” entscheiden. Bei dem Restaurant “Zur Linde” sind sich in Meldorf wohl alle einige, dass es lecker ist. Das Siami hatte leider geschlossen, also ging es für uns zu „Mama Leone“.

Die beiden Herren des Hauses empfingen uns bereits vor der Eingangstür und die Pizza stand in Windeseile vor uns und wurde noch schneller von mir verdrückt. Eine richtig gute Pizza!!!!! Groß, super Boden, perfekt belegt, einfach lecker. Ich hatte schon lange keine gute Pizza mehr, umso mehr hat es meine Geschmacksnerven glücklich gemacht, endlich mal wieder einen Gaumenschmaus zu erleben. (Zum Glück hatte ich nicht gefrühstückt, denn so konnte ich alles auffuttern – mit Frühstück hätte ich auch etwas übrig lassen müssen.) Man kann also ausgehungert dort hingehen und wird pickepacke satt das Lokal wieder verlassen. Und so wurde die Tour durch Dithmarschen eine kulinarische Tour. Denn die köstlichen Pralinen, die ich kaufte, stammten von der Pralinen Manufaktur “Wagner Pralinen GmbH” , die aus Brunsbüttel kommt (ein Städtchen, das sich ebenfalls im Landkreis Dithmarschen befindet).

Burg

Unsere nächste Station “Burg” führte uns durch so manche Dörfer und ich fühlte mich an meine Heimat (Westfalen) erinnert. Flaches Land, so manche Kuh oder ein Schaf, das auf der Weide stand, Windkrafträder… Plötzlich entdeckten wir am Straßenrand eine Milchtankstelle. Wir hielten sofort an und stürmten das kleine Häuschen. Frische Milch kostet pro Liter nur einen Euro, eine echte Alternative zum Supermarkt und kommt direkt vom Bauern. Außerdem gab es dort saisonales Gemüse wie Kürbis, Rosenkohl oder Kartoffeln. Milchtankstellen dieser Art kenne ich zwar bereits, aber ich habe nie zuvor eine aufgesucht – dumm. Denn die Milch war ausgesprochen lecker und wurde sofort von uns leer getrunken.

Das kulinarische Highlight – dat lütte Café –  hatten wir uns für den Schluss der Reise aufgehoben. Doch kurz bevor wir da waren, entdeckte Julia ein Schild: Waldmuseum. Tja – und so musste die Torte noch ein wenig auf uns warten. Wir machten noch schnell das Waldmuseum unsicher. Wir hatten Glück, denn das Museum geht nun in die Winterpause, was völlig verständlich und in Ordnung ist. Aber wir konnten noch kurz den Walderlebnispfad draußen entlang wandern, uns die Ausstellung mit den heimischen Tieren ansehen und den Aussichtsturm besteigen. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass es in den hintersten Ecken in Dithmarschen kostenfreies W-LAN gibt – so wie in diesem Museum. Yeah!

Wir schlenderten zurück zum Auto – an dieser Stelle sei angemerkt, dass uns der Regen überhaupt nicht gestört hat! 🙂 Wir haben es eiskalt (im wahrsten Sinne) durchgezogen. Umso mehr sehnten wir uns dem heißen Kaffee entgegen. Und wenn man denkt, man ist am Ziel, entdeckt man vorher noch das super geschmückte Halloweenhaus. Da waren die Fledermausinfos im Waldmuseum irgendwie passend. 😀

“Dat lütte Café” – endlich! Kaffee, Kuchen, Torte! Mein Plan: Kaffee, Torte und anschließend noch Kuchen. Man muss wissen, worüber man schreibt. Leider war ich nach dem fantastischen Stück Himbeertorte so platt, dass ich beim besten Willen kein Stück Apfelkuchen mehr herunter bekommen hätte. Während wir so da saßen, über unsere Reise sinnierten, das wirklich lütte Café (nur 6 Tische) bestaunten, fragte ich die aufmerksame Bedienung, ob hier Halloween gefeiert werden würde, da wir so ein aufwendig geschmücktes Haus gesehen hätten. Sie meinte, dass sich nun immer mehr Kinder verkleiden und “Rummelpottlaufen”. Ich guckte die gute Frau an und in meinem Gesicht befand sich ein großes Fragezeichen. Bitte was machen die?

Rummelpottlaufen

Rummelpottlaufen, das machen die nun immer häufiger an Halloween und an Silvester nimmt es ab, erklärte mir die Bedienung. WAS BITTE? Julia hat sich vermutlich innerlich schlapp gelacht und intervenierte zum Glück zur richtigen Zeit. Denn ich verstand nur noch Bahnhof. Rumlaufen und Süßigkeiten einsammeln kenne ich nur von Karneval. Ende. (Typisch NRW – da wird Karneval/Fasching etwas größer geschrieben. Auch in Westfalen kennt man Karneval, auch wenn es dort nicht gaaaaaanz so groß gefeiert wird wie im Rheinland.) Zurück zum Rummelpottlaufen – Julia klärte mich auf und ich staunte nicht schlecht, offenbar habe ich am Kiekeberg doch nicht ganz so gut aufgepasst. Sie erklärte mir, dass es einen Pott gab, über den man Schweinshaut zog, der dann zu einer Trommel wurde mit dem man Krach machte. Man singt oder sang Lieder wie “Fru, maak de Doer up”.

Fru, maak de Dör op!
De Rummelpott will rin.
Daar kümmt een Schipp ut Holland.
Dat hett keen goden Wind.
Schipper, wulltst du wieken!
Feermann, wulltst du strieken!
Sett dat Seil op de Topp
un geevt mi wat in’n Rummelpott!

Dieses sogenannte Rummelpottlaufen machte man eigentlich an Silvester. Es ist ein typisch norddeutscher Brauch. Früher erhielten Kinder Süßes oder auch Backwaren wie Pförtchen (Futjes) – bei einer kleinen Recherche musste ich feststellen, dass ich dieses Backwerk nur unter dem Begriff Poffertjes kenne. Mit dem Krach und Getöse (oder auch rummeln => poltern) vertrieb man irgendwelche Geister. Es ist immer wieder super Julia dabei zu haben, die das alles natürlich kannte und mich aufklären konnte, ansonsten hätte ich mit der Bedienung ein wenig weiter diskutiert, weil wir völlig aneinander vorbei sprachen. Wieder etwas gelernt!

Fazit

Satt, zufrieden und völlig platt haben wir uns auf den Heimweg gemacht und halten fest:

  • Dithmarschen ist lecker!
  • Museumsuhrzeiten und -öffnungszeiten muss man vorher checken.
  • Dithmarschen ist Kohl-Land. Mehr dazu hier. Die Kohltage fanden vom 19. -24. September 2017 statt, knapp verpasst. 😉
  • Der “Meldorfer Dom” ist eine absolute Sehenswürdigkeit.
  • Meldorf hat eine wunderschöne Innenstadt.
  • Wagner Pralinen kommen aus Dithmarschen (Brunsbüttel).
  • Rummelpottlaufen macht man nun eher an Halloween statt an Silvester.
  • Der wichtigste Punkt in der Geschichte der Region ist die Schlacht bei Hemmingstedt, dort siegten Bauern über die dänischen Truppen. (Irgendwoher muss ja auch der Begriff der “Bauernschläue” herkommen. ;))

Was hat #meinSH noch zu bieten? Im nächsten Blogbeitrag geht es um Kiel… 🙂 Lasst Euch überraschen! Oder schaut doch mal in dem Blog vom Glücksküstenschnack vorbei. Dort gibt es jede Menge Ausflugtipps für den Norden.

Dithmarscher Kohltage auch auf Pralinen verewigt (na gut, sie haben bei mir nur 48 Stunden überlebt…)

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